HAFERKORNSCHNECKE
HAFERKORNSCHNECKE

(Chondrina avenacea)

Foto: H. Wiening
Systematik Die Haferkornschnecke gehört zur Familie der Kornschnecken (Chondrinidae).
Merkmale Das rechtsgewundene Gehäuse ist 6 bis 8 mm hoch und 2,3 bis 2,5 mm breit, mit 7 bis 8 relativ stark gewölbten Umgängen. Das konisch-zylindrische Gehäuse ist dunkelgrau oder rötlichbraun gefärbt, meist glatt, nur fein und unregelmäßig gestreift. Die Verstärkungen der Mündung ("Zähne") sind schwach ausgebildet. Der Körper des Tieres ist schwarz.
Vorkommen Die Art hat eine westeuropäischalpine Verbreitung. Sie kommt in Süd- und Mitteldeutschland vor, auf der Schwäbischen Alb ist sie weit verbreitet. In den Alpen kommt sie bis auf 2.000 m ü. NN vor.
Lebensraum Die Haferkornschnecke ist eine typische Art der Kalk- und Dolomitfelsen. Sie bevorzugt trockene, sonnige und steile Südwände.
Biologie Um starken Wasserverlust und Überhitzung zu vermeiden, ist die Haferkornschnecke meist nachts oder bei feuchter Witterung aktiv. Die Tiere suchen gerne senkrechte Felswände auf. Vermutlich, weil im Sommer die Sonneneinstrahlung dort weniger stark ist. Dagegen werden Felsritzen zum Schutz vor der Sonnenstrahlung nur sehr selten aufgesucht. Auch bei Trockenheit bleiben die Tiere in den Felswänden. Sie heften sich fest und fallen in eine Trockenstarre. Im Ruhezustand können Haferkornschnecken über ein Jahr ohne Wasser- und Nährstoffaufnahme überleben. Die Haferkornschnecken ernähren sich von Algen und Flechten. Durch Abschaben der obersten Kalkschicht mit ihrer Raspelzunge können die Tiere auch Flechten aufnehmen, die unter der Gesteinsoberfläche ("endolithisch") wachsen, z. B. Warzenflechten. Farn- und Blütenpflanzen werden nicht befressen. Die Winterruhe verbringen die Haferkornschnecken am Fels in geschützten Spalten und Ritzen. Über die Fortpflanzung der Haferkornschnecke ist noch wenig bekannt. Ihre Feinde sind Vögel, Käfer und Eidechsen. Haferkornschnecken tarnen sich, indem sie ihre mit Kot besetzten Gehäuse mit Gesteinsmehl überziehen.
Gefährdung & Schutz Die Haferkornschnecke ist in den Kalkfelsen der Schwäbischen Alb weit verbreitet, eine Gefährdung dieser Art liegt nicht vor.